07.06.2023 | Alex Zierlinger
In sieben Schritten zum SEO-Erfolg
Schritt 1: Das eigene Angebot kennen
Bevor Sie irgendetwas optimieren, sollten Sie sich eine einfache Frage stellen: Was bieten Sie eigentlich an – und für wen?
Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Webseiten scheitern nicht an der Technik, sondern daran, dass sie nicht klar kommunizieren, worum es geht. Definieren Sie Ihr Angebot so konkret wie möglich: Was sind Ihre Kernleistungen? Welche Zielgruppe möchten Sie erreichen? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Erst wenn Sie das für sich selbst klar formulieren können, können Sie es auch einer Suchmaschine – und vor allem einem potenziellen Kunden – verständlich machen.
Schritt 2: Die richtigen Schlüsselworte finden
Mit welchen Begriffen suchen Ihre Wunschkunden bei Google? Und welche dieser Begriffe haben realistische Chancen auf eine gute Platzierung?
Aus der Praxis: Ein Kunde kam einmal strahlend zu mir und berichtete, sein Unternehmen stehe beim Suchbegriff „Kunst des Zusammenarbeitens" auf Platz 1 bei Google. Das sei genau ihr Motto, und sie seien stolz darauf. Ich freute mich mit ihm – bis wir gemeinsam nachschauten, wie viele Menschen diesen Begriff tatsächlich monatlich bei Google eingeben. Die Antwort: exakt null. Kein einziger Mensch (außer vielleicht ihm selbst) suchte nach diesem Begriff. Platz 1 bei Google – und dennoch kein einziger neuer Besucher, kein einziger neuer Kunde. Die Lektion daraus: Es nützt nichts, bei einem Suchbegriff ganz oben zu stehen, den niemand sucht. Erst das Suchvolumen entscheidet darüber, ob eine gute Platzierung überhaupt etwas wert ist.
Bei der Keyword-Recherche geht es darum, beides unter einen Hut zu bringen: hohe Suchvolumina einerseits, überschaubare Konkurrenz andererseits. Dabei lohnt es sich, nicht nur auf kurze, allgemeine Begriffe zu setzen – sogenannte Short-Tail-Keywords wie „Schuhe" oder „Steuerberater" –, sondern auch auf längere, spezifischere Suchanfragen, die sogenannten Long-Tail-Keywords. Wer nach „Steuerberater für Freiberufler in Frankfurt" sucht, weiß oft schon sehr genau, was er will.
Tools wie KWfinder oder UberSuggest helfen dabei, passende Begriffe zu finden, ihre Reichweite einzuschätzen und die Konkurrenz zu bewerten. Ein realistischer Blick auf den Schwierigkeitsgrad eines Keywords ist dabei genauso wichtig wie das Suchvolumen.
Schritt 3: Inhalte erstellen, die wirklich weiterhelfen
Jetzt kommt der Teil, der am meisten Zeit kostet – und am meisten bringt: gute Inhalte.
Schauen Sie sich zunächst an, was Ihre Mitbewerber zu den relevanten Themen veröffentlichen, und fragen Sie sich: Was fehlt dort noch? Welche Fragen beantwortet niemand so richtig? Welche verwandten Themen könnten für Ihre Zielgruppe ebenfalls interessant sein?
Schreiben Sie für Ihre Besucher, nicht für die Suchmaschine. Texte, die nur auf Keywords optimiert sind und sich wie eine Liste lesen, helfen niemandem. Gute Inhalte sind einzigartig, konkret und verständlich. Die Schlüsselworte sollten natürlich vorkommen – im Titel, in den Überschriften und im Text –, aber niemals erzwungen wirken.
Denken Sie auch an die optimale Länge: Für transaktionsorientierte Seiten wie Produktseiten empfehlen sich mindestens 400 Wörter, für informationsorientierte Texte wie Fachbeiträge eher 1000 Wörter oder mehr. Qualität geht dabei immer vor Quantität.
Schritt 4: Die On-Page-SEO im Griff haben
Wenn der Inhalt steht, geht es darum, ihn auch technisch richtig aufzubereiten. On-Page-SEO umfasst alle Maßnahmen, die direkt auf der Seite selbst vorgenommen werden.
Dazu gehört zunächst der Seiten-Titel: Er wird von Suchmaschinen als Überschrift in den Suchergebnissen angezeigt und sollte die wichtigsten Schlüsselworte enthalten – bei einer optimalen Länge von rund 50 bis 60 Zeichen. Auch die Meta-Description, also der kurze Beschreibungstext unterhalb des Titels, sollte sorgfältig formuliert sein. Sie hat zwar keinen direkten Einfluss auf das Ranking, entscheidet aber maßgeblich darüber, ob jemand auf Ihren Link klickt.
Jede Seite sollte genau eine Hauptüberschrift (h1) haben, die den Inhalt klar zusammenfasst. Darunter geben Zwischenüberschriften (h2, h3) dem Text Struktur und helfen sowohl dem Leser als auch der Suchmaschine, den Aufbau zu verstehen. Und schließlich: Setzen Sie Links – auf andere Seiten Ihres eigenen Auftritts, aber auch auf gute externe Quellen. Suchmaschinen mögen gut vernetzte Inhalte.
Schritt 5: Technische Fehler aufspüren und beheben
Eine Seite kann inhaltlich noch so gut sein – wenn sie technische Probleme hat, wird sie trotzdem nicht weit oben erscheinen. Tools wie SEOrch oder Google Page Speed helfen dabei, technische Schwachstellen zu finden.
Häufige Probleme sind langsame Ladezeiten, fehlerhafte Weiterleitungen, fehlende HTTPS-Verschlüsselung oder eine schlechte Darstellung auf mobilen Geräten. Seit 2018 ist die Ladegeschwindigkeit offiziell ein Ranking-Faktor bei Google – vor allem für mobile Webseiten. Und wer zu langsam lädt, riskiert nicht nur schlechtere Platzierungen, sondern auch, dass Google die Seite seltener indexiert.
Viele dieser Probleme lassen sich mit kleinem Aufwand beheben: Bilder komprimieren, unnötige Weiterleitungen entfernen, Caching aktivieren. Sprechen Sie im Zweifel Ihren Webdesigner oder den Support Ihres Providers darauf an.
Schritt 6: Off-Page-SEO – was außerhalb der eigenen Seite zählt
Nicht alles, was für das Ranking relevant ist, lässt sich auf der eigenen Seite beeinflussen. Ein wichtiger Faktor ist die sogenannte Off-Page-SEO – also alles, was von außen auf Ihre Seite verweist.
Backlinks – also Links von anderen Webseiten auf Ihre Seite – sind nach wie vor ein starkes Signal für Google: Wer von anderen empfohlen wird, muss offenbar etwas zu bieten haben. Wichtiger als die reine Anzahl der Links ist dabei ihre Qualität und ihr Kontext. Ein Link von einer thematisch passenden, seriösen Seite ist deutlich mehr wert als zehn Links von irgendwo.
Erste Maßnahmen können die Eintragung in Branchenverzeichnisse oder die Bitte an Geschäftspartner sein, auf Ihre Seite zu verlinken. Auch die Integration in soziale Netzwerke kann helfen: Nicht unbedingt als direkter Ranking-Faktor, aber als Weg, Inhalte zu verbreiten und Besucher zu gewinnen.
Schritt 7: Den Erfolg messen – und dranbleiben
Suchmaschinenoptimierung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Deshalb gehört zur vollständigen SEO-Strategie auch die regelmäßige Erfolgsmessung.
Aus der Praxis: Ein Kunde hatte mich beauftragt, die Webseite seiner Kanzlei zu optimieren. Da er damals in seiner Branche zu den ersten gehörte, die sich überhaupt mit SEO beschäftigten, kamen wir schnell voran – und schließlich stand er bei seinem wichtigsten Suchbegriff auf Platz 1. Sechs Monate später fragte ich nach, ob es denn spürbar mehr Anfragen oder gar neue Mandate gegeben habe. Die Antwort: „Das weiß ich nicht." Keinerlei Datenerfassung, keine Ahnung, woher neue Klienten kamen. Auf meine Rückfrage, ob es der Kanzlei denn zumindest insgesamt gut gehe, kam die strahlende Antwort, er sei sowieso total überlaufen und könne eigentlich gar keine neuen Mandanten mehr annehmen. Wie sich im Gespräch herausstellte, war das allerdings auch schon vor dem SEO-Projekt so gewesen. Der SEO-Erfolg war real – ob er irgendetwas bewirkt hatte, blieb für immer ungeklärt.
Beobachten Sie, auf welchen Positionen Ihre Seite für die wichtigsten Keywords erscheint. Analysieren Sie, wie viele Besucher die Seite über die Suche erreichen, wie lange sie bleiben und ob am Ende auch das gewünschte Ziel erreicht wird – ein Kauf, eine Anfrage, ein Anruf. Tools wie die Google Search Console oder Google Analytics liefern hier wertvolle Daten.
Und wenn Sie merken, dass sich etwas verändert – sei es das Ranking, das Besucherverhalten oder die Wettbewerbssituation –, passen Sie Ihre Strategie entsprechend an.
Dazu gehört übrigens auch eine Maßnahme, die keinerlei Tool erfordert und trotzdem erstaunlich oft vergessen wird: Fragen Sie neue Kunden und Interessenten schlicht, wie sie auf Sie aufmerksam geworden sind – und notieren Sie die Antwort. Ob über Google, eine Empfehlung, einen Brancheneintrag oder ganz anders: Wer das konsequent erfasst, bekommt mit der Zeit ein sehr klares Bild davon, welche Kanäle wirklich funktionieren. Und welche vielleicht nur gut aussehen.
Fazit
Die sieben Schritte ergänzen sich gegenseitig – und das ist kein Zufall. Denn am Ende geht es bei der Suchmaschinenoptimierung nicht nur darum, bei Google weit oben zu erscheinen. Es geht darum, den potenziellen Kunden oder Besucher auf dem gesamten Weg zu begleiten: von der ersten Suchanfrage über den Klick auf das richtige Ergebnis bis hin zum gewünschten Ziel auf Ihrer Webseite. Wer nur einzelne Schritte beachtet und andere vernachlässigt, riskiert, genau dort Besucher zu verlieren, wo es am wichtigsten wäre. Erst wenn alle sieben Schritte ineinandergreifen, ist der Weg für Ihren Besucher – und damit für Ihren Erfolg – wirklich frei.

